Filmtipp: The Straight Story von David Lynch
Der Film “The Straight Story” von David Lynch ist wohl das langsamste Roadmovie, dass jemals produziert wurde.
Die primäre Geschichte ist schnell erzählt:
Alvin Straight (gespielt von Richard Farnsworth) erfährt im Alter von 73 Jahren, dass sein Bruder Lyle, mit dem er seit zehn Jahren auf Grund eines Streits keinen Kontakt mehr hatte, einen Schlaganfall erlitt.
Zunächst macht es den Eindruck, dass ihn das nicht weiter berührt, doch am nächsten Tag macht er sich auf den Weg zu seinem Bruder.
Die Sache ist nur die: Er hat keinen Führerschein, will aber aus eigener Kraft seinen Bruder erreichen. Nur so macht die Reise für ihn einen Sinn.
Was also machen, wenn man nicht Auto fahren kann und auch von niemand anderem gefahren werden will?
Man schnappt sich seinen Rasenmähertraktor und bastelt sich einen Trailer zusammen, in dem man übernachten kann.
Auf einem 1966er John Deere Rasenmäher macht sich Alvin auf den Weg von Laurens, Iowa nach Mount Zion, Wisconsin.
Diese Reise dauerte insgesamt sechs Wochen.
David Lynch – der sonst eher für äußerst kontroverse Filme, wie Eraserhead oder Lost Highway bekannt ist – bringt in diesem für ihn untypischen ruhig und linear erzälhten Film neben der eigentlichen Story über Alvin Straight noch weitere Geschichten ein.
Diese werden an Zwischenstationen erzählt, die Alvin unterwegs absolviert.
Er trifft auf eine junge Frau, die befürchtet, dass ihre Familie sie hassen wird, weil sie ungewollt schwanger wird; auf einen amerikanischen Kriegsveteranen aus dem zweiten Weltkrieg, mit dem er alte Geschichten austauscht, und ähnliche Ereignisse.
Achja: Der Film basiert auf wahren Begebenheiten! David Lynch hat in einer Zeitung von einem Mann gelesen, der auf einem Rasenmäher zu seinem kranken Bruder gefahren ist, und hat sich dazu entschlossen, aus dieser Handlung einen Film zu machen.
Bei dem fantastischen Screenplay, für das Freddie Francis verantworlich ist, kommt man wirklich ins Träumen.
Alvin fährt durch Gegenden, in denen endlose Felder zu sehen sind, und einfach ein unglaublicher Eindruck der Einsamkeit auftaucht.
Für beide – den Hauptdarsteller Richard Farnsworth und Freddie Francis war das der letzte Film, an dem sie mitgearbeitet haben. Farnsworth, der für diese Rolle (zu Recht!) für einen Oscar nominiert wurde, begann einiger Monate nach dem Film im Alter von 80 Jahren Selbstmord, in dem er sich erschoss. Er litt an Krebs und konnte die Schmerzen nicht mehr ertragen.
Außerdem läuft – zumindest mir – bei dem Theme, der von Aneglo Bandalamenti eingespielt wurde, ein kalter Schauer über den Rücken. Es sind einfach wunderschöne Szenen in diesem Film, die ich wahrscheinlich sehr lange nicht vergessen werde.
Also mein Aufruf: Seht euch diesen Film an!
Ich habe mit den Film zunächst “beschafft” – aber inzwischen ist die DVD bestellt. Und wer mich kennt, der weiß, dass das nur relativ selten passiert.
Meine Wertung: 9/10
Falls ihr diesen Film schon gesehen habt, würde ich mich über ein Kommentar wirklich freuen!
30. Juni, 2008 um 08:58
ich glaube den Film gesehen zu haben. schon vor ein paar Jahren, zwei oder drei und ich wusste damals nicht, dass er von Lynch ist. Cool zu wissen. Die Idee ist mal so ganz anders, und der Rasenmäher tut einem irgendwann leid *lach*. Aber sonst blieb bei mir nichts weiter hängen. Außer viele Landschaftsbilder.
11. Juli, 2008 um 21:05
Unter http://www.ws-avantgarde.de haben wir übrigens eine gesamte Episode nur über Lynch. Ein Großteil davon ist über the straight story. Für Lynch-Neulinge absolut empfehlenswert.